NUEJAZZ Festival 2022

Z-Bau, Nürnberg.

Beschreibung Preis (inkl. Gebühren)? Menge
REGULÄR €32,16 (€30,00)
ERMÄßIGT €25,93 (€24,00)
Ermäßigt - Schüler*innen / Student*innen
NÜRNBERGER JAZZMUSIKER E.V. €19,69 (€18,00)

Am Einlass liegt eine Liste der Mitglieder des Nürnberger Jazzmusiker e.V. aus. Ausweisen mit Lichtbildausweis.

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Rosie Frater-Taylor Band

Samstag 29.10. / 20:00 Uhr / Z-Bau - Galerie

Rosie Frater-Taylor wuchs als Tochter des Londoner Schlagzeugers Steve Taylor und der schottischen Sängerin Josie Frater in einem musikalischen Umfeld auf. Schon als 6-Jährige lernte sie von ihrem Vater Schlagzeug spielen, später kamen Gitarre und Ukulele hinzu. An der Kaderschmiede für aktuelle Musik in UK, den Tomorrow’s Warriors, entdeckte sie den zeitgenössischen Jazz, später schloss sie ein Studium an der altehrwürdigen Royal Academy Of Music in London ab. Als 2018 ihr selbst produziertes Debütalbum „On My Mind“ erschien, war Frater-Taylor gerade einmal 19 Jahre jung. Vergangenes Jahr hat sie ihre Platte „Bloom“ veröffentlicht, die die junge Singer/Songwriterin erneut im Eigenverlag über Bandcamp an den Mann und die Frau gebracht hat.


Frater-Taylor gehört also zu der Szene junger Musiker*innen in Europa, für die
Freiheit und Unabhängigkeit von enormer Bedeutung
sind. Nur so lässt sich ohne Zwänge die Musik produzieren, die einem wichtig ist. Und Frater-Taylor hat ihrer Jugendlichkeit zum Trotz einen ganz eigenen Stil für ihre Songs entwickelt. Formal folgen diese zwar dem Schema von Vers und Refrain. Doch die Lyrics singt Frater-Taylor mit ihrem klaren, warmen Sopran oftmals
gegen den rhythmischen Strich gebürstet, um Melodie und Harmonik noch einmal in einem ganz anderen Licht erstrahlen zu lassen. Erst dadurch eröffnen sich dem Publikum neue Bedeutungs- und Deutungsebenen, die den Texten von Frater-Taylor noch mehr Tiefe und Relevanz vermitteln.

SEED.

Samstag 29.10. / 21:00
Uhr / Z-Bau - Saal

Vor sechs Jahren hat die Altsaxophonistin Cassie Kinoshi ihr zehnköpfiges SEED Ensemble gegründet. Schon damals ging es der jungen Londonerin auch darum, die Diversität und Heterogenität, die Vielfalt und Vitalität der Jazzszene in der britischen Hauptstadt darzustellen und zu zeigen, wie daraus Kreativität erwächst und sich eine gleichermaßen geschichtsbewusste wie in die Zukunft weisende Musik entwickeln lässt. Zudem ist Kinoshi eine politisch wache Frau, die allein durch die Besetzung ihres Ensembles mit schwarzen und weißen Musiker*innen unmissverständlich Stellung gegen Ausgrenzung und Rassismus bezieht. Und natürlich sind in ihrer Band SEED. (das „Ensemble“ hat Kinoshi kürzlich aus dem Namen gestrichen) zu gleichen Teilen Frauen und Männer zu hören.

Die Musik von SEED. ist ein Stilmix, wie man diesen so oder so ähnlich sicherlich schon öfters aus London gehört hat. Und doch geht SEED. mit der Hybridisierung und dem Experimentieren einen Schritt weiter. Wenn der Township-Jazz Südafrikas die Grenze zum Dubstep von Heute mühelos überwindet, wenn die zeitliche Differenz zwischen dem Soul-Jazz der 1960er und dem HipHop der Jetztzeit ohne Aufwand nivelliert wird, wenn Afrobeat und Highlife Westafrikas mit (afro-)britischen Jazz so geklont werden, als wäre es das Einfachste auf der Welt, dann feiern die zehn Musiker*innen von SEED. den Moment, in dem ihre Musik tatsächlich entsteht.

Zeitgeist Freedom Energy Exchange

Samstag 29.10. / 21:30
Uhr / Z-Bau - Galerie

Manchmal ist die Peripherie der richtige Ort für Entdeckungen und Erfindungen. Gegenden und Regionen also, die weit entfernt sind von den Zentren einer aktuellen Musik. Wo die Wellen der Trends und Entwicklungen, die ihren Anfang vielleicht in London oder Paris, in New York oder auch Berlin hatten, mit Verzögerung an den Küsten anbranden. Wo sich die Akteur*innen vergegenwärtigen müssen, dass ihnen wahrscheinlich Instrumentarien und Wissen fehlen, um ähnliches zu erschaffen wie in diesen Zentren. Wo aus der sprichwörtlichen Not heraus stilistische Hybride und musikästhetische Fusionierungen aufbrechen, wie sie so in den urbanen Zentren der aktuellen Musik niemals hätten entstehen können.


Ein solcher Ort ist Australien, das schon geografisch eine Antipode zu Europa und den USA ist. Ziggy Zeitgeist, Schlagzeuger, DJ und Produzent aus Melbourne, ist „down under“ in Australien aufgewachsen. Auch er hat mit Gleichgesinnten im „30/70“-Kollektiv aus der Beschränkung durch den Mangel Neues geschaffen, das sein Publikum dann auf Raves irgendwo im Nirgendwo des australischen Outback fand. Mittlerweile lebt Zeitgeist in Berlin. Doch seinen Entdeckergeist und seine Neugierde hat er sich bewahrt; mehr noch: Er hat die Chance ergriffen, mit seinem Projekt Zeitgeist Freedom Energy Exchange die Hybridisierung verschiedenster Stilistiken weiter zu verdichten. Die Soul Music und der Jazz-Funk der 1970er entwickeln in diesem Quartett eine ungeheure hypnotisch-energetische Sogkraft, rhythmisch aufgeladen durch tranceartige Patterns brasilianischer Provenienz durchziehen Störgeräusche aus dem digitalen Baukasten wie Schlieren Ziggys Amalgam.

YUSSEF DAYES

Samstag 29.10. / 22:30
Uhr / Z-Bau - Saal

Oftmals ist es die elterliche Plattensammlung, die zum ersten Fundus der eigenen musikästhetischen Sozialisation wird. Das war auch beim Londoner Yussuf Dayes der Fall, als er über die Vinyl-LPs seines Vaters tief in den kreativen Kosmos des amerikanischen und europäischen Jazz eintauchen konnte. Das weckte jedenfalls in dem jungen Dayes den Wunsch, selbst Jazzmusiker – genauer: Schlagzeuger zu werden. Schon in seinen Teenager-Jahren bekam er Unterricht von einem Altvorderen dieses Instrumentes: Billy Cobham. Der ist es auch gewesen, der seinem Zögling nicht nur die instrumentaltechnischen Grundlagen des Drumsets beibrachte, sondern ihm auch zeigte, wie er seine eigene Sprache entwickeln konnte, um dann seine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Natürlich ist ein Kreativkopf wie Dayes rasch Teil der turbulenten jungen Szene Londons geworden. 2016 brachte er mit dem Keyboarder Kamaal Williams unter dem Namen Yussef Kamaal das Album „Black Focus“ heraus, das zeigte, wie leichtgängig Jazz, 70ties-Funk, HipHop, Grime und Soul miteinander fusionieren konnten. Seine da schon gezeigte Kunst des Cut & Paste verfeinert Dayes nun mit seiner eigenen Band. Durch sein hochvirtuoses Drumming weiß er gleichermaßen die Grenzen zwischen den Genres aufzulösen wie er die verschiedenen Komponenten dieser Mixtur ansatzlos aufeinander prallen lässt. Dabei wird das Moment der Improvisation der Musiker zum Keilriemen, der diese eklektische Jazzmusik beständig mit Energie versorgt und in Bewegung hält.

keiyaA

Samstag 29.10. / 23:00
Uhr / Z-Bau - Galerie

keiyaA ist sie eine imposante Frau, die auch und gerade als afroamerikanische Künstlerin ihre „Blackness“ für jedermann sichtbar präsentiert. Mal trägt sie ihr Haar offen, dann flicht sie es wieder kunstvoll zu Zöpfen. Ihre Fingernägel sind so lang und spitz wie Stilettos, ihre Ohrringe funkeln oftmals wie Gold in der Sonne, während sie mit der Wahl ihrer Kleider indes eine nonchalante Zurückhaltung an den Tag legt. Selbstsicher nimmt sie ihr Publikum für sich ein, wenn sie auf der Bühne die Augen schließt und mit dem dunklen Timbre ihrer Stimme geschmeidig phrasierend ihre Songs singt. Der Sound ihrer Generation ist Soul und R&B, beides hat seine Wurzeln in der afroamerikanischen Kultur und ist deshalb per se politisch. Davon ist keiyaA jedenfalls überzeugt.

Geboren wurde keiyaA 1992 als Chakeiya Camille Richmond in Chicago. Schon als junges Mädchen sang sie im Chicago Children’s Choir, bevor sie dann aber zum Altsaxofon wechselte. Ihre Vorbilder waren schon damals der stimmgewaltige Gesang einer Chaka Khan und die Jazzmusik eines John Coltrane oder Miles Davis. Ihr Musikstudium brach sie aber ab, als sie merkte, dass ihre Kreativität durch das straffe Curriculum der Hochschule zu sehr eingeengt wurde. 2015 zog sie nach New York, wo sie sich endgültig für eine Solokarriere als Sängerin entschied. In New York hängte sie ihrem Künstlernamen Keiya auch ein großes „A“ an; und als keiyaA brachte sie 2020 ihr Debütalbum „Forever, Ya Girl“ auf den Markt – selbst produziert und im Eigenverlag veröffentlicht. Denn eines ist ihr wichtig: auch und gerade als junge Musikerin von vornherein autonom zu sein und autark zu agieren.

TEREZA

Samstag 29.10. / 00:00 Uhr / Z-Bau - Galerie

Wer die DJ Tereza beim Auflegen im Club beobachtet und sieht, wie intuitiv sie an den Plattentellern stehend ihre Musik auflegt, der will im ersten Moment gar nicht glauben, dass die in Chemnitz aufgewachsene junge Frau ein abgeschlossenes Mathematik-Studium hat. Dafür gibt es eine einfache Erklärung. Auf dem Gymnasium hatte Tereza unter anderem Mathe als Leistungskurs. Nach dem Abitur wusste sie nicht so recht, was sie weiter machen will. So schrieb sie sich für dieses Studium ein, und schon bald packte sie der Ehrgeiz, es dann auch wirklich abzuschließen. Zudem hatte sie ihre ersten Auftritte als DJ während des Studiums. Die mathematischen Theoreme sind also gar nicht so weit entfernt von der Leichtigkeit einer Playlist dieser jungen DJ.

Angefangen hat Tereza mit HipHop. Sie liebt diese ursprünglich amerikanische Popmusik-Gattung, die so tief verwurzelt ist in der Kultur der Schwarzen in den USA. Später wechselte sie zur House Music und mochte es, das Tempo der aufgelegten Tracks zu pitchen. Gleichzeitig entdeckte sie über das „Four to the floor“ dann auch Disco, Soul und Funk. Egal, ob Tereza heute am Pult Platten auflegt, die Musik für Radiosendungen zusammenstellt oder als Kuratorin Compilation produziert: Zusammen mit dem Jazz geben diese Genres mit ihrem analogen Flow ihren DJ-Sets Lebendigkeit und Frische – und sorgen dafür, dass sich die Menschen tanzend auf dem Dancefloor verausgaben und glücklich strahlen.